Mythos

Was ist dran an den Sojamythen - Teil 1 | Joya

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Julia Kantner

Ideenhaberin, Bloggerin und neugierige Nase. Julia bloggt seit 2015 für Joya über alles, was das Leben schöner macht.

Die Sojabohne zählt zu den Hülsenfrüchten und demnach zu Gemüse, also sollte man meinen, es handelt sich um ein gesundes Lebensmittel. Im Internet kursieren zahlreiche Artikel und Videos, die das Gefühl vermitteln, man sollte die Finger davon lassen. Wir wollen aufklären, was an den Gerüchten dran ist und ob man Sojaprodukte in eine ausgewogene Ernährung einbauen kann oder nicht.

Was man über Soja wissen sollte

Sojaprodukte stellen aufgrund ihres hohen Eiweißgehalts besonders wichtige Nährstoffquellen dar - insbesondere bei rein pflanzlicher Ernährung. Die Qualität der Sojaproteine ist besonders hoch, weil alle essenziellen - also für den Körper notwendigen - Aminosäuren enthalten sind.

Das gute Fettsäureprofil (wenig gesättigte Fettsäuren, viele einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, kein Cholesterin) sowie die enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe sind weitere Gründe warum man seiner Gesundheit mit Soja etwas Gutes tut.

Leider liest man oft Gerüchte über giftige und krankheitserregenden Inhaltsstoffen und dass Sojaprodukte gentechnisch veränderte Organismen enthalten. Diese Halbwahrheiten wollen wir mit einigen Fakten richtigstellen.

Mythos 1: Phytoöstrogene (Isoflavone) in Soja schaden der Gesundheit

Dieses Gerücht ist entstanden da die Verabreichung von hochdosierten, isolierten Isoflavonen aus Soja bei Tierversuchen negative Effekte mit sich brachte. Würde man Vitamin K aus dem Spinat isolieren und in solch hohen Dosen verabreichen, hätte auch das eine negative Auswirkung auf die Gesundheit.

Isoflavone sind ein natürlicher Bestandteil der Sojabohnen und wirken sich in moderater Zufuhr positiv auf die Gesundheit aus. Auch in anderen Hülsenfrüchten und Getreide ist ein natürlicher Gehalt nachweisbar. Es besteht eine geringe Ähnlichkeit zum weiblichen Hormon Östrogen, jedoch ist die Wirkung sehr viel schwächer. Die Aufnahme von Isoflavonen aus Sojaprodukten wirkt nachweislich präventiv auf Krebsarten, die aufgrund des sinkenden Spiegels der Hormone im Alter entstehen können (z.B. Brustkrebs oder Prostatakrebs).

Mythos 2: Soja enthält Trypsin Inhibitoren. Diese hemmen die Verdauung.

Trypsin Inhibitoren sind in allen Hülsenfrüchten enthalten und schützen diese vor Schädlingen. Bei rohem Verzehr hemmen sie die Verdauungsenzyme. Durch Erhitzung der Hülsenfrüchte werden die Trypsin Inhibitoren unschädlich gemacht. Man soll ja z.B. auch keine rohen Kartoffeln essen, weil sie Solanin enthalten und ebenso wenig sollte man rohe Sojabohnen verzehren. Bei verarbeiteten Sojaprodukten werden die Bohnen zuvor erhitzt, weswegen man sich keine Sorgen bezüglich Trypsin Inhibitoren machen muss.

Mythos 3: Soja führt bei Männern zu Impotenz (Zeugungsunfähigkeit)

Dieses Gerücht kam in Umlauf, weil man davon ausging, dass die in Soja enthaltenen Phytoöstrogene (Isoflavone) einen negativen Einfluss auf den Hormonhaushalt des Mannes ausüben. Diese Auswirkungen wurden in einigen Studien untersucht. In keiner Studie konnte ein negativer Einfluss von Phytoöstrogenen auf die Steroidhormone festgestellt werden. Das bedeutet, dass Sojaprodukte nicht für die Zeugungsunfähigkeit des Mannes verantwortlich gemacht werden können.

Mythos 4: Soja ist krebserregend

Generell ist die Gefahr an Krebs zu erkranken ein Zusammenspiel vieler Risikofaktoren. Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkoholmissbrauch, Rauchen, mangelnde Nährstoffzufuhr (also geringer Verzehr von Obst und Gemüse), Genetik und Umwelteinflüsse haben den größten Einfluss auf die Entstehung der Krankheit.


Aus weltweiten Krebsstatistiken geht hervor, dass hormonabhängige Krebserkrankungen wie zum Beispiel Brust- und Prostatakrebs unter der asiatischen Bevölkerung, bei der Soja einen höheren Stellenwert in der Ernährung hat, weitaus seltener auftreten als bei uns in Europa.
Die Verabreichung isolierter Isoflavone in hohen Dosen konnte bei Ratten ein erhöhtes Krebsrisiko belegen. Das kann man jedoch nicht mit dem natürlichen Sojaverzehr vergleichen, da man dadurch niemals so hohe Mengen Isoflavone aufnehmen kann. Diese Studie hat weder mit normalem Sojakonsum noch mit Menschen zu tun und setzte darum nur das Gerücht in die Welt, dass Soja krebserregend ist.
Das Gegenteil ist wahr. Es konnte nachweislich festgestellt werden, dass Menschen, die vegetarisch oder vegan leben ein weitaus geringeres Risiko haben an Krebs zu erkranken als die Allgemeinbevölkerung. Der Sojakonsum der fleischlosen Ernährung ist natürlich dementsprechend höher, da Soja für Vegetarier und Veganer eine wichtige Proteinquelle darstellt.

Mythos 5: Der Verzehr von Soja bei Brustkrebs hat negative Auswirkungen auf den Verlauf der Krankheit

Studien haben bestätigt, dass der Verzehr von Sojaprodukten bei Brustkrebs völlig unbedenklich ist. In der Vergangenheit war man sich aufgrund der enthaltenen Isoflavone nicht sicher, da diesen eine mögliche östrogene Wirkung zugeschrieben wird. Jedoch gibt es zum menschlichen Hormon Östrogen große Unterschiede. Unter anderem konnte man bei einer Studie mit fast 10 000 Krebspatienten feststellen, dass Sojaprodukte auf keinen Fall eine negative Auswirkung auf den Krankheitsverlauf haben.

Du möchtest noch mehr über Sojamythen und ihre Hintergründe erfahren? Hier geht es zum zweiten Teil des Artikels.

Quellen:

Einfluss von Soja auf Krebserkrankungen:

Pisani P, Parkin DM, Bray F, Ferlay J (1999): Estimates of the worldwide mortality from 25 cancers in 1990. Int J Cancer 83: 18-29.

Boyapati SM, Shu XO, Ruan ZX et al. Soyfood intake and breast cancer survival: a followup of the Shanghai Breast Cancer Study. Breast Cancer Res Treat 2005;92:11-7.

Korde L, Wu AH, Fears T et al. Childhood Soy Intake and Breast Cancer Risk in Asian American Women. Poster 2006; (abstr).

Wu AH, Wan P, Hankin J, Tseng CC, Yu MC, Pike MC. Adolescent and adult soy intake and risk of breast cancer in Asian-Americans. Carcinogenesis 2002;23:1491-6

Trock BJ, Hilakivi-Clarke L, Clarke R. Meta-analysis of soy intake and breast cancer risk. J Natl Cancer Inst 2006;98:459-71.

Mills PK (2001): Vegetarian diets and cancer risk. p. 55-90. In: Sabaté J (ed). Vegetarian nutrition. CRC Press, Boca Raton, p. 78

Einfluss Sojaverzehr auf Männer:

Soy Milk intake in relation to serum sex hormone levels in British Men – Allen -Nutrition and Can cer 2001, 41, 41-46

Effect of a phytoestrogen food supplement on reproductive health in normal males– Mitchell -Clinical Science 2001, 100, 613

Inspiration